Onkyo Integra 624 Amplifier

13.02.2023 20:01 (zuletzt bearbeitet: 13.02.2023 20:15)
avatar  Scope
#1
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leich zwei dieser extrem seltenen Stereoendstufen haben mich in den letzten Tagen beschäftigt.
Der Zustand war unterirdisch, wobei vor allem die enormen Verschmutzungen eine Herausforderung waren....Naja...Es war vielmehr eine sehr undankbare Sauerei in der Duschkabine.

Wiki Link:
https://www.hifi-wiki.de/index.php/Onkyo_Integra_624

Zu den Geräten ist kein Schaltbild und auch keine Bedienungsanleitung im Netz zu finden. Wegen der umfangreichen Verkabelung ist die Fehlersuche eine ebenfalls undankbare Angelegenheit und verlangt eine gewisse "Routine", besonders wenn keine Unterlagen vorhanden sind.

Geräte nach der Teilrestauration. Etwa 20 Stunden war ich damit beschäftigt.


Eine Endstufe war besonders stark verschmutzt. Leicher habe ich davon keine Fotos gemacht. Die zweite, weniger verschmutzte Kiste zeigt aber bereits, was da los war.






Beide Geräte wurden in je drei Durchgängen mit BREF eingeschäumt und der Schaum mit einem weichen Pinsel einmassiert, sodass es möglichst wenig verbogene Bauteile gibt.
Danach mit heissem Wasser abgebraust.



Nach Reinigung und Trocknung: Auch die Blechteile wurden ordentlich geschrubbt.





Neue Glimmerscheiben, Transistoren im Ultraschallbad gereinigt.



Danach konnte mit der eigentlichen Reparatur begonnen werden. Beide Geräte litten untern den selben Symptomen:

*Betriebslampe def. ;)

Endverstärker:
* Kaum Verstärkung (etwa 2 fach)
* Starke Verzerrungen
* Brumm

Weiche:
*Starker Brumm
*Einsatzfrequenzen im Tiefpass vollkommen falsch
*Starke Kontaktstörungen an den Schaltern
*Unterschiedliche Pegel L zu R

Viele Fehler waren auf vollkommen trockene Elkos zurückzuführen. Auch die 33µF in der Gegenkopplung des Endverstärkers, was dazu führte, dass nicht nur DC extrem stark gegengekoppelt wurde.
Zwei Schalter mussten zerlegt werden, da sie chemisch nicht mehr zur Arbeit zu bewegen waren.
Aussderdem gab es zwei hochohmige KS Widerstände, die optisch nicht auffällig waren. Eine sehr fiese Arbeit.

Die Arbeit an den Platinen ist frustrierend, da man laufend Leitungen "im Weg" hat. Die Bedrahtung aller Bauteile wurde vor der Verlötung auf eine Länge von 3mm umgebogen. Zwar gibt es dadurch kaum kalte Lötstellen, aber jedes Teil muss mit Litze entlötet werden. Dabei aufpassen, dass die morschen Drähte an der Platine nicht -zu oft- abbrechen.
Im Bereich der Frequenzweichen war die Arbeit sogar noch beengter.





Die Schalter für die Einsatzfrequenzen wurden über die Jahrzehnte extrem "verschlissen", und der Lack der Blende teilweise leider unwiederbringlich abgenutzt.


Die Schalter des Subsonicfilter habe ich entfernt, und das Filter deaktiviert. Es liegt -untypisch- in der Lautsprecherleitung. Es wird also im Leistungsteil passiv gefiltert. Die Schalter stellen ohnehin eine Schwachstelle dar und waren beide defekt.



Finale V ermessung beider Geräte:


Filter Hochpass in 12 dB Pos:


Tiefpass:



FFT 1W, 1KHz 8R ch1:


Ch2:


Das ist für ein Gerät dieser Klasse und dieser Zeit absolut "OK".

THD&N vs. Freq. , 1W, 8R L&R. Die Differenzen sind dem Alter und Verschleiss geschuldet. Man müsste erheblichen Aufwand betreiben, umd die Abweichungen weiter zu minimieren.



THD&N vs. Power, 8R , 1KHz, "both channels driven".



Nochmal an 4R:

Bildanhänge
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13.02.2023 20:20
avatar  41199
#2
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Forumsgründer

Cool! Ein echter Exot.
Da ist das "habe ich noch nie gesehen" mal echt keine Schande.


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13.02.2023 20:44 (zuletzt bearbeitet: 13.02.2023 20:44)
avatar  hififan
#3
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Was ein geiles Zeugs. Wäre genial, wenn der Besitzer die Teile im Einsatz vorstellen würde. Toller Bericht.

Schönes altes Geraffel? Her damit!


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13.02.2023 21:32
avatar  chm
#4
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chm

Ich finde sowohl diese Art der Reperaturberichte als auch die meisten Geräte echt Klasse. Ich freue mich tatsächlich über jeden neuen Bericht 👍


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15.02.2023 10:42 (zuletzt bearbeitet: 15.02.2023 10:54)
avatar  Scope
#5
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Nachträglich noch eine Erklärung zu den gemessenen Verzerrungen.

In der FFT ist die Summe der harmonischen Verzerrungen bei 1W in 8 ohm Last etwa gleich, aber in der Messung THD&N vs. Frequenz sind es bei 1W , 1KHz in einem Kanal 0,025%, im anderen aber 0,05%.
Dass die Werte fur THD&N gerade bei kleiner Leistung unter denen der Harmonischen (also THD) liegen ist normal, da THD&N nicht nur die Harmonischen selbst, sondern auch Brummen und Rauschen beinhaltet.
Bei der Messung THD&N vs. Frequenz wird eine Meßbandbreite von 80 KHz verwendet, damit man bei der höchsten gemessenen Frequenz immer noch die vierte Harmonische erfassen kann.
In der Messung THD&N vs. Power (mit 1KHz Festfrequenz) ist das Filter hingegen auf 22 KHz gesetzt.
Daher sind die Istwerte bei 1KHz dort auch mitunter, wenn auch nicht zwingend etwas geringer als die Werte im sweep.

In diesem Fall gibt es auf einem der beiden Kanäle geringfügig stärkere Netzstzörungen (also 50 Hz und Vielfache davon), was man besonders bei kleinerer Leistung gut erkennen kann. Zusätzlich kommen im schlechteren Kanal bei steigender Leistung noch stärkere Oberwellen hinzu, die den Effekt verstärken.

Das sieht auf einem Meßgerät immer sehr schlimm aus, ist aber in diesen Größenorndungen noch unbedenklich. Man wird weder Brummen, noch Verzerrungen als solche Wahrnehmen können, da die Werte unterhalb der Hörschwellen liegen.


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