Marantz SC-80

30.12.2022 13:10 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2022 13:30)
avatar  Scope
#1
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Da diese Marantz Vorstufe optisch -rundum- im Neuzustand ist, hielt ich eine Reparatur für sinnvoll und lohnend, auch wenn die Fernbedienung fehlt. Die kann man sicher für 20-30 Euro besorgen.
Mir ist und war ja bekannt, dass es bei diesen Geräten (auch der passenden Endstufe) immer Probleme mit den braunen Nippon Chemikon Elkos gibt, aber in diesem Fall war es tatsächlich ein wirtschaftlicher Totalschaden.
Fünf oder sechs Stunden war ich mit den Arbeiten Beschäftigt, und wenn ich das alles im Vorfeld gewusst hätte, wäre sie mit Sicherheit als Defektgerät bei Ebay gelandet.
Kurzum....Ich habe viel Zeit mit Arbeiten verbracht, die man schon als "Bestrafung" bezeichnen darf. ;)

Kein einziger Kratzer....wie neu.


Es stellte sich dann heraus, dass bis auf die vier großen Netzelkos eigentlich alle Elkos undicht und kapazitätslos (oder zumindest kapazitätsarm) waren. Damit hatte ich ja sogar gerechnet.
Allerdings war das Elektrolyt unter sämtliche Bauteile gekrochen, wodurch eine einfache Reinigung mit Leiterplattenreiniger nicht ausreichend war. Nach dieser ersten Reinigung gab es immer noch Offsetfehler und Pegelsprünge durch Übergangswiderstände. Zerfressene Leiterbahnen gab es zum Glück noch nicht.

Der Kopfhörerverstärker mit MC1456. Einem OPA, der 150 ohm treiben kann. Das IC musste ebenfalls erneuert werden.



Die Hauptplatine und der tone amp wurde nach der Behandlung mit Kontakt LR (Leiterplattenreiniger) bei 60 Grad über 30 Minuten lang in der Spülmaschine gereinigt. Das brachte den gewünschten "Reinigungsrfolg".


Das sind m.E. Arbeiten für Leute, die Mutter und Vater erschlagen haben ;)


Erster Funktionstest:
Die Mutingrelais schalten nicht frei. Eine Stunde nach diesem Fehler gesucht. Ursache war R817, an dem die Bedrahtung durchkorrodiert war. Das war nicht zu sehen und wurde erst durch Messungen am Protector IC (pin 1) deutlich. Dort muss eine negative Spannung anstehen (pwer on/off detect). Beim Berühren des Widerstands, löste sich die Bedrahtung an einer Seite.



Danach stand das Signal dann auch an den Ausgangsbuchsen an. Allerdings nur im Direktmode, nicht aber über den Tone Amp. Dort hatte es einen NE5532 erwischt, dessen Bedrahtung ebenfalls ziemlich korrodiert war. Das Signal war 6 dB zu leise, und auf einem Kanal sogar nur zu "erahnen"
Ich habe gleich alle drei OPA erneuert, damit es nicht später zu Ausfällen kommt. Dort war auf dem gesamten tone amp ziemlich viel Elektrolyt ausgelaufen.



Überblick über die Baugruppen.


Die Ausgangsstufe wird über zwei Übertrager ausgekoppelt, was bei Transistorvorstufen sehr selten ist.

MM oder MC wird an der Rückseite gewählt.







Ein paar Messungen:

FFT Hochpegel. 500mv rein, 1V raus Ch1:


Ch2:


Sehr ordentlich, allerdings auch kein ungewöhnliches Ergebnis für eine Vorstufe.

Frequenzgang, Direkt (rot), via tone (Neutralpos.) , und mit jeweils maximal eingestellten Reglern.



Netzstörungen am Ausgang, Bezug 1V (1KHz)...Sehr ruhig...



THD&N vs. Freq., 1V, 80KHz bw. Den anstieg zu tiefen Frequenzen sehe ich bei den Übertragern. Das Verhalten ist nicht untypisch.



Phono Entzerrung...Die Kapazität beträgt 600 pF, könnte aber verringert werden.


Phono MM Übersteuerungsreserve:


Ausgangsimpedanz etwa 700 ohm, konstant über den gesamten Bereich.


Die Übertrager gelangen über 560 ohm an die Ausgangsklemmen:


CCIF IMD an der Meßgrenze:


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30.12.2022 13:36
avatar  hififan
#2
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Erst Kontakt LT u. Spülmaschine, dann Elkotauschprogramm? Oder erst die siffigen Teile runter?


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30.12.2022 13:59 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2022 14:08)
avatar  Scope
#3
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Erst alles runter, obwohl das bei den Elkos keinen Unterschied macht, da sie nicht aufliegen und durch den permanenten Spülgang alles gut "unterspült" wird.


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30.12.2022 17:35
avatar  41199
#4
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Forumsgründer

Das ist doch ein Reparaturbericht, den man wirklich gerne liest. Danke fürs Einstellen. Ich hoffe, es spricht sich rum, dass Deine Berichte hier zu lesen sind.


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30.12.2022 23:17
avatar  hififan
#5
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Na, pass mal auf, bald wird scope deshalb versehentlich bei den Elkowechslern verortet, das ist schlecht für's Karma. ;-)


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31.12.2022 12:02
avatar  Scope
#6
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Manchmal geht´s halt nicht anders... Bei jedem zehnten Gerät....würde ich mal aus der Hüfte schiessen.


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31.12.2022 13:10
avatar  chm
#7
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chm

Ich bin ja nicht der große Elektronikprofi, aber bei meinem Philips CD Player hab ich auch entschieden alle Elkos zu tauschen, nachdem von ca. 10 gemessenen 7 oder 8 deutlich unter Nennkapazität waren, dicht waren allerdings noch alle.


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31.12.2022 13:12
avatar  hififan
#8
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Warum hat das Ding Übertrager - wären da symmetrische Ausgänge nicht zielführend? Oder wenigstens umschaltbar?


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31.12.2022 13:14
avatar  hififan
#9
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@chm: Bei dieser Quote verstehe ich den Austausch aller Teile. Aber es gibt Geräte, da ist nach 40 Jahren kein Kondensator tot. Die Yamaha B2 ist sowas.


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