Kenwood KA-5002

27.04.2026 17:35 (zuletzt bearbeitet: 28.04.2026 13:59)
avatar  Scope
#1
avatar

Diesen uralten Kenwood, schleppte vorhin ein Bekannter an.
Das Gerät hat wohl lange irgendwo herumgestanden und hat die besten Zeiten eigentlich schon hinter sich.
Demontieren und waschen der Knöpfe sowie der der Front, möchte er später in Eigenregie durchführen. Bei der Gelegenheit
kann er dann auch die Holzwangen aufarbeiten, wenn er das möchte.

Die an mich gestellte Aufgabe ist klar definiert: Das Gerät soll wieder irgendwie Musik spielen, obwohl wir uns darin einig waren, dass
bei einem 1971er "Fragment" durchaus eine richtige Restauration angebracht ist, wenn man das Gerät ganz doll lieb hat.
Sowas mache ich aber nicht, und sowas möchte er auch spätestens nach der Info, was sowas denn kosten "kann" auch nicht mehr.

Das Wort "Restauration" wurde also umgehend aus seinem Wortschatz gestrichen.

Fehlerbeschreibung: "geht nicht mehr an" ....Klasse

So schlimm sieht er gar nicht aus:


Keine Stromaufnahme.... Feinsicherung erneuert, danach gleich viel zu hohe Stromaufnahme.
Vor Jahrzehnten ist der Gleichrichter bereits erneuert worden, und der ist (warum auch immer) wieder kaputt.

Das eingebaute (grüne) Bauteil verorte ich in die 80er Jahre. Es wurde nur über die Kabel im Gerät gehalten....Hätte ich anders gemacht.


Der neue ist mit einer M3 Schraube befestigt und verträgt deutlich höhere Ströme, obwohl er etwas kleiner ist.


Danach spielte das Gerät "grundsätzlich" wieder.
Es mussten aber einige Schalter mit T6 mehrmals gespült werden, damit er ruhig wurde. Ein Zerlegen kommt nicht in Frage, da das viel zu aufwendig werden würde.

Es hat sich im Laufe der Messungen auch herausgestellt, dass ein Endverstärker bei Erreichen höherer Temperaturen mit einem leichen, aber messbaren Prasseln und Rauschen reagiert. Hier müssten beide Kanäle überholt werden, wenn man es so haben möchte, wie es sein KÖNNTE.

Fakt ist aber auch, dass jemand mit hohen Ansprüchen an absolut reine Signalverarbeitung und Verstärkung eher nicht zu einem 1971 Gerät tendiert.
Hier spielen andere Beweggründe eine stärkere Rolle.
Das Gerät soll wie erwähnt nur "spielen" ;)

Ansonsten sind die meisten Schalter und Regler unauffällig, was für eine gewisse Qualität spricht.
1 cm Staub und Hundehaare habe ich vor dem Knipsen dieses Fotos ausgesaugt und weg gepinselt. ;)


2 x 2200 µF mussten hier reichen, und die stehen in voller Höhe an. Auch der ESR ist "gut".


Relais geputzt, Kontakte im Rahmen des machbaren geduscht, 2 Birnchen erneuert. .....

Ein paar Messungen zur Kontrolle:

Da die Besitzer solcher Fossilien eigentlich immer Platten sammeln, fange ich mal mit dem Phonoteil an. Es gibt Phono 1 und phono 2 (schaltbar Hi/lo), wobei die hohe Verstärkung für MC Tonabnehmer gedacht ist, und mit 200 ohm beschaltet wird.

Ich beschränke mich auf Phono1, wo die Verstärkung mit 38,5 dB festgelegt ist. Die Eingangskapazität beträgt um 160 pF , und der Geräuschspannungsabstand liegt bei 81 dB A (5mV) für beide Kanäle. Das ist "OK", kein Handlungsbedarf.

Die RIAA Entzerrung ist gerade für das hohe Alter als "gut" zu bezeichnen, ohne etwas daran erneuert zu haben.
Messung an Tape rec.


Die Übersteuerung beginnt bei etwa 100 mV (120 mv, 1% THD) was absolut problemlos ist.

FFT, 5 mV , 1 KHz:
Absolut problemlos.


Diese Lautsprecherklemmen....Es gelang mir nicht, vier "Drähte" daran zu befestigen, ohne dass einer wieder abfiel....Das liegt auch daran, dass die kleinen Blechwinkel an einigen Klemmen nicht mehr da sind. Man dreht die Litzen immer wieder aus ihrer Klemmung heraus....Das ist "Mist".
Abhilfe schaffen kleine M4 Gäbelchen, die man dann mit dem Schraubendreher festzieht.
Ich werde dem Besitzer mal ein paar davon mitgeben.....Die kann er sich dann an seine "Anaconda-Leitungen" anlöten.



Messungen Hochpegel, (Aux2) , 500 mV




FFT, 1 KHz, 1W, 8R. THD liegt um ca, 0,014%, was für eine Schaltung aus dieser Zeit sehr ordentlich ist.


THD&N vs Frequenz, 5W, 8R. Deutlicher Anstieg mit der Frequenz.



Frequenzgänge, oben mit Loudness (10 Uhr), unten "straight" , je L&R


THD&N vs. Poert, 1KHz, 8R, bcd. Der 220V Trafo wird über den Conditioner mit exakt......235V betrieben. Das reicht für 40W x 2, 8R, 1KHz-



 Antworten

 Beitrag melden
27.04.2026 20:56
avatar  hififan
#2
avatar

"Hartes Klangbild in den Höhen"... ;-)

Die Kunst, sehen zu können, ist eine wunderbare Gabe, und wer noch staunen kann, wird auf Schritt und Tritt belohnt. (Oskar Kokoschka)

 Antworten

 Beitrag melden
28.04.2026 07:58
avatar  Scope
#3
avatar

.....das von dir aber nicht bemerkt wird. ;)


 Antworten

 Beitrag melden
28.04.2026 08:18
avatar  Gorm
#4
avatar

Zitat
"Anaconda-Leitungen"

nehme ich mal mit.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!