Shure M65

22.09.2025 16:39 (zuletzt bearbeitet: 24.09.2025 12:18)
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#1
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Der M65 ist ein Röhren-RIAA Phonoentzerrer von 1960 (!) Da kam ich gerade aus der Ausbildung. Wer zu der Zeit ein "Magnetsystem" hatte, gehörrte mit Sicherheit nicht zu den Geringverfienern und Gelegenheits Plattenhörern. Die hatten -wenn überhaupt- eine Musiktruhe mit Keramik-TA im fiesen Bakelit Plattenwechsler.

Heute kann man für wenig Geld Entzerrer kaufen, die in jeder Hinsicht besser arbeiten und günstiger sind...Sogar günstiger als der Bausatz, den ich für einen Bekannten zusammensetzen soll. Hoffentlich bringt der sich später nicht damit um, denn Trafos und Gehäuse besorgt er auch selbst. Er ist halt nhicht der begnadete Löter, schraubt aber ganz gut.

Es gibt den M65 als Modul, als Kit, und auch als Fertiggerät ohne "Seele". Eine Kiste....fertig.

Und er wird überall hochgelobt, obwohl er dank seiner extrem hohen Ausgangsimpedanz nur für sehr hochohmige Eingänge (Röhrenradios) gemacht wurde. Das kann man mit einem Impedanzwandler beheben, aber dann ist es auch kein M65 mehr.

Die technischen Eigenschaften sind ziemlich bescheiden, aber WENN man das Gerät selbst aufbaut, oder auch nur selbst anklemmt, kann es durchaus sein, dass die emotionalen Reaktionen ausufern.....Die Jäuferbewertungen "top"...Beschreibungen im Forum für Esoterik und analoge Hörkultur "top"....Das Ergebnis aber eher ein Flop.

Schon aus Neugier habe ich mich für einen "Obulus" bereit erklärt, die paar Teile zu bestücken....Und dann werde ich mal nachschauen, wie sich der "clone" Verhält. Es ist weitgehend 1:1 von den Chinesen kopiert worden. Lediglich die Kondensatoren dürften heute besser sein....Also rein unemotional betrachtet.
Außerdem ist das NT "modern" gestaltet.

Das größte Problem ist die hohe Ausgangsimpedanz, die an modernen Vorstufen mit 50K oder sogar 20K dramatische Auswirkungen haben wird, die so mancher aber trotzdem nicht memerkt.

tbc...

Die Platine kostet 8 € , der ganze Bausatz ohne Flaschen 26 €. Durch geschickte Wahl wird der Sound dann entzückend....lol...
Das Board ist von guter Qualität.


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22.09.2025 19:26 (zuletzt bearbeitet: 24.09.2025 12:20)
avatar  Scope
#2
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Keine große Sache, war sehr überschaubar....Eine Stunde für den Aufbau, der in Bezug auf den Störabstand erst im fertigen Gehäuse bewertet werden darf. Den Rest kann man aber schon auch so, auf einer Kupferplatte testen. Dazu hatte ich drei Flaschen am Start.



12AX7 Sovtek Neu, unter 2 Stunden gelaufen, gemessen, gut, aber noch nicht eingespielt ;)
ECC83 TFK gebraucht, gemessen, gut
ECC83 Valvo Gebraucht, gemessen, gut.

Die MKP sind von guer Qualität und schaffen alle beinahe Punktlandungen. Also DARAN liegt es nicht ;)


Vielleicht kann mir an dieser Stelle jemand den klanglichen Unterschied dieser drei Röhren, verdeutlichen, und welche Eigenschaft dafür verantwortlich sein soll?

Ich habe den schweren Verdacht, dass da stets Seemannsgarn gesponnen wird,...Also das Übliche.

Das Klirrspektrum ist bei allen drei Röhren kaum unterschiedlich. Im fliegenden Aufbau werden bei 5 mV, 1KHz etwa 0,12% erreicht.
THD&N
Das ist viel zu wennig, um den "Klang" in irgendeine Richtung zu färben, KEIN Röhrensound. Besonders wenn man bedenk, dass das Signal aus dem TA-System 5 bis 10 mal stärker mit eben diesen beiden Harmonischen zuschlägt.


Die Übersteuerungsreserve ist sehr gering. Gerade mal 40 mV/1KHz, bei immerhin 43,5 dB Gain.

Einen "Sound" erhält man vielmehr aufgrund dieser Eigenschaft.

Grün 100K Abscluß, Rot 50 K Abschluss. Hat der verwendete VV (aux in) geringere Werte (nicht total unüblich) wird der Sound noch dünner.



Das klingt nicht gleich total schlecht, da es oben und unten nur 3 dB sind, aber es ist eben nicht "ehrlich" und färbt schon gut hörbar.
+/-3 dB sind in der BDA des original Shure übrigens auch vermerkt.


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22.09.2025 19:43
avatar  chm
#3
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chm

Rot müsste aber doch schon deutlich hörbar sein, oder nicht?


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22.09.2025 20:48 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2025 10:33)
avatar  Scope
#4
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Jein...Ich schrieb ja bereits, dass die Schaltung so wie sie ist, schon recht stark verfärbt.

Jetzt kommt es darauf an, unter welchen Bedingungen (Lautsprecher, Raum) und mit welcher Musik man das ausprobiert.
Es könnte einem Hörer unter Umstämdem sogar besser gefallen, als ein nahezu perfektes Ergebnis.

Wenn eine direkte Umschaltung möglich ist, und man lediglich zwischen A & B unterscheiden muss, ist es mit etwas Übung und
den passenden Lautsprechern wohl kein Problem, sicher zuzuordnen.
Schwieriger wird es schon, wenn man hintereinander mit Unterbrechungen hört.

Da werden bei solchen Differenzen immer noch falsche Zuordnungen abgegeben.
Das liegt in erster Linie daran, dass die Leute es mit der falschen Musik versuchen, oder eben ungeübt
sind.

Die Klangregler an normalen Geräten reichen in der Regel bis 10 dB +/ Stell dir einfach mal vor, der Baßregler wird auf 10.30 Uhr, und der Hochtonregler auf 13.30 gedreht...Jeweils nur dieses kleine Stück....Hintereinander wird es vermutlich viele falsche Zuordnungen geben., denn "dramatisch" ist das nicht.

Die Lautsprecher bringen erheblich größere Differenzen ins Spiel, und selbst da sind Leute schon auf die Nase gefallen.

Wie auch immer....Das ist keine "gute" Phonostufe. Sie reicht aus, um Platten auszukratzen, wenn man wirklich keine besonderen Ansprüche an gar nichts stellt.
Der Besitzer wird sie lieben ;)


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22.09.2025 21:38
avatar  hififan
#5
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Bin gespannt auf die Messergebnisse und Deine klangliche Beurteilung.

Die Kunst, sehen zu können, ist eine wunderbare Gabe, und wer noch staunen kann, wird auf Schritt und Tritt belohnt. (Oskar Kokoschka)

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23.09.2025 06:40
avatar  chm
#6
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chm

Ja, so dachte ich das auch, dass man bei zügigem umschalten in gewohnter Umgebung und an gewohnten Gerätschaften da evtl. ein kleiner Unterschied Richtung "schmal" hörbar sein müsste.


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23.09.2025 08:21
avatar  Scope
#7
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Zitat
Bin gespannt auf die Messergebnisse



Bis auf den Störabstand ist bereits alles oben nachzulesen.
Die 50 Hz Komponente wird man durch Einbau in ein Metallgehäuse um vielleicht 10 dB drücken können.
Die Heizspannung kam tempotär aus einem 12 V Akku.

Man kann damit in diesem Zustand durchaus Musik hören, ohne ein enormes Problem zu bemerken. ;)

Anhören werde ich mir das Fertiggerät eventuell an "seiner" Anlage. Es wird vor allem etwas "dünner" klingen.
Alles andere (also die vielen Wunderstories) gibts haufenweise im Netz.
Und zwar für jedes erdenkliche Zeug....Nicht nur zum "M65 Clone"


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23.09.2025 08:45
avatar  hififan
#8
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Sorry, ich hatte nicht gesehen, dass schon fertig und Messergebnisse vorlagen. Übles Möhrchen.

Die Kunst, sehen zu können, ist eine wunderbare Gabe, und wer noch staunen kann, wird auf Schritt und Tritt belohnt. (Oskar Kokoschka)

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